Die Entscheidung über eine adipositas-chirurgische Maßnahme bei Patienten mit Essverhaltensstörungen wird in vielen Fällen noch zurückhaltend gehandhabt.
Neue Studien zeigen, dass auch Patienten mit Essstörungen von der Adipositas-Chirurgie profitieren. Besonders Patienten mit Binge-Eating –, Sweet- Eating- oder Night-Eating-Syndrom.
Unter Binge-Eating versteht man das regelmäßige Auftreten von Essanfällen. Diese Patienten verlieren die Kontrolle über ihr Essverhalten, essen sehr schnell und ohne Hunger bis ein unangenehmes Völlegefühl auftritt. Patienten mit dieser Essstörung weisen oft im Vergleich zu anderen nicht essgestörten Patienten weitere psychische Störungen auf. Sie sind mit der Figur und Gewicht unzufriedener und leiden häufig unter mangelndem Selbstbewusstsein. Das Nigh-Eating-Syndrom beschreibt die hauptsächliche Nahrungsaufnahme von mehr als 25% der Energiezufuhr in der Nacht. Sweet-Eater hingegen verzehren bevorzugt Soft-Drinks und alles was süß ist.
Nicht jede Essstörung stellt eine Kontraindikation für eine chirurgische Adipositasbehandlung dar.
Laut einiger Studien verbessert sich bei vielen Patienten sogar das Essverhalten nach dem Eingriff.
Einige Mediziner sprechen von einer vorübergehende Heilung nach chirurgischer Adipositasbehandlung. Die ersten 1-2 Jahre werden deshalb auch als Honeymoon-Phase bezeichnet.
Welches Essverhalten der Adipositas-Patient nach der Operation an den Tag legt, ist nicht vorhersagbar. Auch wenn bei einer Binge-Eating-Problematik eine nicht so rasche und erfolgreiche Gewichtsreduktion auftritt, so ist der Gewichtsverlust beträchtlich. Allerdings sollte bei wiederholtem Auftreten der Essstörung nach der Operation eine weitere Behandlung eingeleitet werden.
Gute Nachricht für Sweet-Eater
Das sogenannte Sweet- Eating wird häufig als negative Voraussetzung für das Magenband gesehen. Grundlage für diese Situation bildeten zwei Studien von Sugerman et al .1987 u. 1992 . Spätere Untersuchungen konnten das nicht bestätigen. In der Studie von Kim et al. 2006 konnte kein Unterschied im Gewichtsverlust nach Magenband oder Magenbypass bei Süß-Liebhabern gefunden werden.
Psychische Betreuung ist wichtig
Um den Patienten und Ihrer Problematik der Essstörungen gerecht zu werden, sollte unbedingt die Schwere und Art der Essstörung vor der chirurgischen Adipositastherapie festgestellt und eine gute postoperative psychische Betreuung angeboten werden.
Quelle: Aktuel Ernaehr. Med., 2009; 34:83-87, de Zwaan M, Mühlhans B. : Essverhalten vor und nach adipositaschirurgischer Behandlung.