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Abnehmen mit dem Magenballon Orbera

Ernährungsmedizinischen Betreuung bei Patienten nach Magenballonimplantation

17.07.2009 15:05 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Praktisches Hintergrundwissen, Medizinische Fachliteratur

 

Übergewicht und Adipositas stellen auf Grund ihrer epidemischen Verbreitung eine der zentralen Herausforderungen für unser Gesundheitssystem dar.

Nationale Verzehrstudie II :
Im Jahr 2005 hatten in der BRD Übergewicht


66 % der erwachsenen männlichen Bevölkerung (18-80 Jahre)

51 % der erwachsenen weiblichen Bevölkerung (18-81 Jahre)
Adipositas (BMI über 30))

20,5% der Männer

21,1% der Frauen


Adipositas gilt als Auslöser für eine Vielzahl chronischen Erkrankungen wie

Typ II Diabetes
Herz-Kreislauferkrankungen
Krebs
Degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates

Dadurch verursacht Adipositas indirekt extrem hohe Folgekosten im Gesundheitssystem Epidemiologische Untersuchungen beziffern die Folgekosten der Adipositas auf 28% der Gesamtausgaben im Gesundheitssystem der einzelnen Länder, in Deutschland werden Ausgaben von 20 Mrd. Euro geschätzt.

Als maßgebliche Ursache dieser Entwicklung gilt eine Verstärkung des sogenannten westlichen Lebensstils mit kalorienreicher Ernährung und Bewegungsmangel.

An der Spitze der Adipositasepidemie mit einer Adipositas Grad III und einem BMI über 40 befinden sich inzwischen >1% der deutschen Bevökerung.
Die Magenballonimplantation und bariatrische Chirurgie gelten derzeit als einzige Therapiemethoden, die zu einer langfristigen und hochgradigen Gewichtsreduktion verhelfen können.

Die Magenballonimplantation ist eine Chance aber keine Garantie für eine dauerhafte Gewichtsreduktion!! Voraussetzung für den langfristigen Therapieerfolg ist eine auf die individuelle Situation des Patienten angepasste Ernährungsberatung, die sowohl eine Verhaltens-, Ernährungs- als auch Bewegungstherapie beinhalten sollte.

Die Behandlungsziele orientieren sich immer am Gesamtrisiko und sollten individuell und mit den persönlichen Zielen des Patienten vereinbart werden.
Grundsätzlich soll die Körperfettmasse verringert, die stoffwechselaktive Muskelmasse aber möglichst erhalten bleiben.
Neben der langfristigen Gewichtssenkung verbessern sich automatisch auch begleitende Risikofaktoren und die subjektive Lebensqualität erhöht sich.

Von zentraler Bedeutung für den Therapieerfolg ist eine hohe Eigenmotivation und die Fähigkeit, das Behandlungsprogramm unter Alltagsbedingungen umzusetzten. Der Patient muß verstehen, dass Lebensstil und Körpergewicht unmittelbar zusammenhängen. Nochmal - der Ballon ist keine Dauerlösung – er bietet aber eine sehr gute Chance zur dauerhaften Gewichtsreduktion!!

In der Regel wird bei der Ernährungsberatung ein Stufenkonzept verfolgt, was die Kombination aus einer hypokalorischen Ernährung (1200-1550 Kalorien), Motivation zur Bewegungssteigerung und Verhaltensmodifikation beinhaltet. Langsames Essen mit gutem Kauen sind am Anfang nach der Magenballonimplantation besonders wichtig. Insgesamt sollte ein 3 Mahlzeitenprinzip ohne Zwischenmahlzeiten eingehalten werden, wobei es wichtig ist viel zu trinken (nichtkalorische Getränke, möglichst ohne Kohlensäure, 2-3 L am Tag!)
Grundprinzip der Ernährungstherapie ist stets eine Reduktion der Energiezufuhr. Empfohlen wird eine ausgewogene, energiereduzierte Mischkost. Durch Reduktion der Kohlehydratzufuhr (Süßigkeiten!!) erreicht man eine Reduktion des Insulinspiegels als Basis für eine bessere Fettverbrennung.
Weiterhin ist eine ausreichende Proteinzufuhr (mind. 1g/kg) erforderlich, um einem Muskelabbau während der Reduktionsdiät und einem JoJo Effekt nach der Gewichtsreduktion vorzubeugen.
Die Zufuhr von gesättigten (tierischen) Fetten sollte reduziert werden. Ein gesteigerter Fischverzehr bietet nicht nur eine bessere Eiweissversorgung, sondern versorgt den Körper auch mit „gesunden“ lebensnotwendigen Fetten, den Omega 3 Fettsäuren. Reichlicher Verzehr von Gemüse, Salat und Obst (niedrige Energiedichte), sowie der ausschließliche Genuss kalorienfreier Getränke (Wasser, Tee, Brühe) ist bei der Ernährungsumstellung enorm wichtig.

Ist das Behandlungsziel mit diesen Maßnahmen nicht zu erreichen, besteht die Möglichkeit, ein Mahlzeitenersatzkonzept mit Formuladiäten zur Gewichtsreduktion einzusetzen. Damit wird für begrenzte Zeit ein extremes Energiedefizit hergestellt bei gleichzeitiger Sicherstellung der Zufuhr der notwendigen Eiweißmenge sowie weiterer essentieller Nährstoffe. Nach den seit kurzen gültigen EU-Richtlinien sollten 800 kcal. am Tag dabei jedoch nicht unterschritten werden.
Da unter diesen Umständen eine Stoffwechselkatabolie entsteht, ist auch hier auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 2,5-bis 3 Litern zu achten. Ein derartiges Konzept muss im Hinblick auf eventuelle Nebenwirkungen deshalb unbedingt ärztlich überwacht werden!
Für die Effektivität des Einsatzes von Formuladiäten gibt es inzwischen gute wissenschaftliche Evidenz.

Während einer Gewichtreduktion empfiehlt sich regelmäßig eine Messung der Körperzusammensetzung. Dabei wird die Körperfettmasse und die fettfreie Masse bestimmt. Durch Subtraktion des Körperwassers von der fettfreien Masse ergeben sich Rückschlüsse auf die stoffwechselaktive Masse (Muskelmasse).
Dadurch kann ein Muskelabbau während der Diät schnell erfasst und ein Eiweißverlust quantifiziert und rechtzeitig ausgeglichen werden.

Fazit: für den Langzeiterfolg einer Gewichtreduktion ist die (z.T. recht umfassende) Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten wichtig, ohne dabei einen vollständigen Verlust der Lebensqualität zu erzeugen! Entscheidend ist die Umsetzung der realistisch geplanten Ziele des Patienten und erst in zweiter Linie die Umsetzung der Ziele des Therapeuten!

Grundpfeiler für den Langzeiterfolg sind:

- realistische Planung des Therapieziels mit Hilfe des Therapeutenteams vom        ersten Tag an!
- hochgradige Motivation des Patienten zur Änderung seiner Ernährungs- und       Lebensgewohnheiten
- Ernährungsumstellung auf eine fettmodifizierte und kohlehydratreduzierte,         eiweißoptimierte Kost mit möglichst niedriger Energiedichte
- regelmäßige körperliche Aktivität
- möglichst langfristiger Kontakt zwischen Patient und Therapeutenteam

Viel Erfolg beim Abnehmen!


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