Das British Medical Journal (BMJ) veröffentlichte am 15. Juni 2010 die Ergebnisse einer französischen Studie von Nathalie Bajos vom Forschungsinstitut INSERM zum Thema Adipositas und Sexualität.
Im Rahmen dieser Studie wurden zwischen September 2005 und März 2006 telefonische Befragungen an 10170 Normal- und Übergewichtigen Teilnehmern hinsichtlich ihres Sexuallebens durchgeführt. Erhoben wurden unter anderem Daten zu Gesundheit, Größe, Gewicht, Lebensumstände, chronische Erkrankungen, Partnerschaften, sexuelle Praktiken, Verhütungsmethoden, sexuelle Probleme und sexuell übertragbare Erkrankungen.
Das Ergebnis zeigt ein gestörtes Sexualleben und ein vermindertes Bewusstsein für Verhütung und sexuell übertragbare Erkrankungen bei der adipösen Bevölkerung. Adipöse haben weniger Sex als Normalgewichtige. Grund dafür ist nicht mangelndes Interesse, aber das Übergewicht reduziert die sexuelle Zufriedenheit. Ein häufiger Grund bei adipösen Männern ist die vermehrt vorkommende erektile Dysfunktion. Adipöse Frauen hingegen gaben an, dass Sexualität keine besondere Bedeutung für ihr persönliches Gleichgewicht habe, obwohl gerade jüngere adipöse Frauen die Kontaktbörse im Internet häufiger nutzen als normalgewichtige Frauen.
Weiterhin konnte die Studie zeigen, dass adipöse Männer beim Geschlechtsverkehr häufiger auf ein Kondom verzichten und damit zwölffach häufiger angeben in den vergangenen fünf Jahren eine sexuell übertragbare Erkrankung gehabt zu haben. Auch die Frauen verzichten häufiger auf Kontrazeptiva wie z.B. die Pille. Im Vergleich zu Männern kam es bei ihnen allerdings nicht vermehrt zu sexuell übertragbaren Krankheiten, aber zu ungeplanten Schwangerschaften. In der Umfrage hatte fast jede vierte jüngere Frau einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen in den letzten fünf Jahren.
(Quelle: BMJ 2010;340(151):c2573)